Durch Workshops zum bewussten Sprachgebrauch

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Menschen bewusst zu machen, wie sie Sprachen verwenden, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Warum?

Die Welt ist kleiner und vernetzter geworden. Fast alle Minderheitensprachgruppen sind heute bis zu einem gewissen Grad mehrsprachig und stehen unter Druck, ihre traditionelle Sprache und Identität aufzugeben. Der Verlust einer Sprache bedeutet den Verlust von Möglichkeiten, über wertvolle Wissensbestände zu sprechen, z.B. traditionelle Handwerke. Das Erlernen einer anderen Sprache bedeutet, neues Wissen zu erwerben.
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Drei Männer in formeller Kleidung und mit dunkler Hautfarbe platzieren neongrüne Post-its auf einem Plakat, das am Boden liegt. Um verschiedene Post-its-Gruppen sind bunte Schnüre gelegt.
Workshop in Uganda: Die Mehrsprachigkeit innerhalb der Sprachgruppe wird analysiert. Jeder Kreis entspricht einer der Sprachen, die gesprochen wird. Die Kreise überlappen wie ein Venn-Diagram. Innerhalb der Kreise befinden sich die Teile der Bevölkerung, die diejenigen Sprachen sprechen. Mit dieser Darstellung kann man Sprachwandel sichtbar machen.

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Sprachgruppen müssen verstehen, welches Wissen wirklich wichtig ist und an zukünftige Generationen weitergegeben werden soll. Dadurch können sie bewusst entscheiden, wann und wofür sie welche ihrer Sprachen gebrauchen. Um Sprachgruppen dabei zu unterstützen, halten wir Workshops ab, in denen die aktuelle Situation analysiert und die Sprachverwendung gezielt gesteuert werden kann.

– von Bernadette Mitterhofer
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Eine handgeschriebene Tabelle auf einem Plakat. Die Spalten geben Lebensbereiche an, die in verschiedene Aspekte aufgegliedert sind. Viele kleine bunte Zettel kleben neben den einzelnen Aspekten.
In welchem Lebensbereich haben die Teilnehmer welches Wissen und welche Sprachen verwenden sie dafür? Das wurde hier in einem Workshop aufgelistet. „Internal“ steht dabei für traditionelles Wissen, für das Wissen der Volksgruppe (z.B. traditionelle Heilpflanzen), „external“ für neues Wissen von außerhalb (z.B. moderne Medizin).

 „Mein Engagement bei der Bibelübersetzung war immer
von meinem starken Glauben an die Bedeutung der Bibel motiviert.
Aber in all den Jahren hat mich noch nie jemand gefragt,
ob ich meine Sprache für wichtig halte oder nicht.
Während dieser Veranstaltung wurde mir klar,
dass ich meine Sprache nicht für wichtig gehalten habe.
Hätte ich das getan, hätte ich meinen Kindern und meiner Frau beigebracht,
meine Sprache zu sprechen.
Ich hätte mehr getan, um sicherzustellen, dass wir unsere Sprache weiterhin sprechen.“
– ein Huamalíes Quechua-­Sprecher über einen Workshop in Peru, Südamerika