Ganzheitlich füreinander da sein

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Ein weißes Auto ragt schräg über den Rand einer Stein-Sandstraße. Es ist per Seil mit einem roten Auto verbunden. Mehrer Männer stehen rundherum und sehen zu.„Wenn ein Bruder oder eine Schwester
ohne Kleidung sind
und ohne das tägliche Brot
und einer von euch zu ihnen sagt:
„Geht in Frieden,
wärmt und sättigt euch!“,
ihr gebt ihnen aber nicht
was sie zum Leben brauchen –
was nützt das?“

Jakobusbrief 2, 15-16

Die Mixteken leben von dem, was sie selbst anbauen. Hungerzeiten sind keine Seltenheit, und Geld kann man eigentlich nur in der Fremde verdienen. Auch sind sie noch immer recht isoliert: Um in das Dorf zu kommen, in dem wir immer wieder arbeiten, muss man 100 km auf unbefestigten Straßen fahren!

Unter solchen Umständen kann man als Christ weder glaubwürdig noch mit sich selbst im Reinen leben, wenn man den Menschen nicht in allen Bereichen hilft, wo es möglich und notwendig ist. So haben wir im Dorf eine gut gefüllte Haus­apotheke und im Lauf der Jahre so manche Mixteken mit Verbänden, Schmerzmitteln, Wurmkuren und Kamillentee – kurz gesagt, medizinisch – versorgt. Einmal habe ich einen Jungen mit Schädelbruch ins nächste Krankenhaus gefahren, weil gerade kein anderes Auto vor Ort war – sieben Stunden Fahrt!

Auch sonst war unser Auto viel im Einsatz: Dienstags war unser „Dienst-Tag“, an dem wir für die Leute Feuerholz aus dem Wald oder Sand vom Fluss (zum Bauen) geholt haben. Was das Auto in zwei Stunden bewegt, hätte mit dem Esel mehrere Tage gedauert. Bei einer Gelegenheit habe ich einen VW-Käfer aus einem Graben gezogen (s. Foto).

Beim Essen haben wir oft die Nachbarkinder mitgefüttert. Und ich war jahrelang der inoffizielle Dorf­fotograf. Allerdings wollen wir weder den Eindruck erwecken, alles zu haben (und uns das leisten zu können), noch, dass wir den Mixteken in allem überlegen sind. Deshalb haben wir immer darauf geachtet, selbst auch auf Hilfe angewiesen zu sein. So haben wir manche wichtige Werkzeuge nicht, sondern leihen sie von Nachbarn (wie sie auch die unseren). Und dass wir beim Erlernen der Sprache und Kultur Hilfe brauchten, war für alle offensichtlich.

So sind im Lauf der Jahre gute Beziehungen entstanden, aber keine Abhängigkeiten. Dafür, und für die Möglichkeiten, ganzheitlich zu ­helfen, sind wir sehr dankbar.

– von Marc Schwab