Wie Sprachforschung Menschen hilft

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Eine wichtiger Teil von Entwicklungszusammenarbeit ist Sprachforschung / Sprachentwicklung. Das erschließt sich vielleicht nicht auf den ersten Blick – aber auf den zweiten.

Sprache ist nicht nur ein Verständigungsmittel. In der Muttersprache ist die Kultur und damit die Identität eines Volkes verwurzelt. Einem Volk die Sprache wegzunehmen, heißt, ihm seine Identität zu nehmen. ­Einem Volk zu helfen, seine Sprache zu verschriftlichen und zu entwickeln, stärkt dagegen die Identität und das Selbstwertgefühl eines Volkes. Wenn es in einer Minder­heiten­sprache ­Literatur oder sogar ein Wörterbuch gibt, gelangt sie auf dieselbe Ebene­ wie z.B. die Landessprache. Für gut lesbare Schreibweisen und in Folge das Entstehen von Literatur muss man die Sprache gründlich erforschen. Darum ist Sprachforschung Entwicklungshilfe!

Sprachforschung gibt den Menschen­ auch neue Möglichkeiten, sich persönlich zu entwickeln. Als wir bei den Saliba in Papua-Neuguinea einen Autorenkurs durchführten, entdeckten einige Leute ihre Begabung als Autoren. Besonders die Geschichten­ von Sower P. finden großen Anklang. Erst durch den Autorenkurs und dadurch, dass wir halfen, die Geschichten zu drucken und zu verteilen, konnte er seine Begabung sinnvoll anwenden.

Die Saliba lieben Alltagsgeschichten, aber was sie sich über alles wünschen, ist das Neue Testament in ihrer Muttersprache. Auch Bibelübersetzung entwickelt die Sprache, weil dabei eine unglaubliche Vielfalt an Wörtern verwendet wird, die dadurch wieder in Gebrauch kommen. Sie hilft aber auch, die Schriftsprache zu standardisieren. Die Saliba lieben ihre regionalen Dialektunterschiede, und obwohl sie einander problemlos verstehen, wollte zuerst jeder, dass in seinen eigenen Dialekt übersetzt würde. Nach vielen Diskussionen wurde entschieden, dass jedes der beiden Übersetzerteams in seinen jeweiligen regionalen Dialekt übersetzen soll. Das andere Team passt dann die Formulierungen so an, dass sie für alle akzeptabel sind. So wird die Sprache gestärkt – mit allen positiven Auswirkungen auf die Menschen!

Anfang einer Geschichte

– von Sabine Oetzel