Was mich an meiner Arbeit fasziniert

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2008, vor 10 Jahren, setzte ich meinen Entschluss in die Tat um und reiste nach Tansania. Seitdem untersuche ich die Sprachsituation von Sprachgruppen in Tansania und Uganda. Was bewegt mich, mich weiter in der Spracherkundung einzusetzen?

Spracherkundung

Spracherkundung ist eine Kombination aus zwei Bereichen. Der eine ist die Büroarbeit, also Recherche, Planung, die Datenanalyse nach einer Reise ins Sprachgebiet, usw. Der andere ist das Reisen in Dörfer in Tansania, in denen wir mit den Menschen über ihren Sprachgebrauch sprechen. Ich finde es spannend, darüber ins Gespräch zu kommen, wann sie welche Sprachen wofür verwenden, in welchen Bereichen die Grenzen fließend sind, sodass es möglich ist, eine oder mehrere andere Sprachen zu verwenden, und wo das nicht möglich ist.

Oft haben sie vorher noch nie darüber nachgedacht oder miteinander darüber gesprochen. Man akzeptiert einfach die Gegebenheiten, z.B. dass man im Dorf die Muttersprache spricht, jedoch in größeren Ortschaften, wo mehrere Sprachgruppen leben, die offizielle Landessprache Suaheli verwendet. Ebenso ist es normal, dass in der Grundschule der Unterricht auf Suaheli und in der Oberstufe auf Englisch abgehalten wird. Daher müssen alle Schüler diese Sprachen sprechen (lernen), um in der Schule erfolgreich zu sein. Manche Eltern versuchen ihre Kinder besser auf die Schule vorzubereiten, indem sie mit ihnen nur Suaheli­ reden, nicht jedoch ihre Muttersprache. Manchmal haben die Menschen den Eindruck, dass andere ihre Sprache als rückständig und hinderlich ansehen, und dass man am besten nur Suaheli und Englisch spricht. Es freut mich, wenn ich bei Gesprächen vermitteln kann, dass man nicht eine Sprache zugunsten einer anderen aufgeben muss. Jede hat ihre Berechtigung, denn Gott hat alle Sprachen geschaffen. Auf diese Weise kann ich den Menschen Wertschätzung vermitteln.

Spannend finde ich eine neue Methode, die in den letzten Jahren entwickelt wurde: das Sustainable Use Model (Modell der nachhaltigen Verwendung). Damit können Sprachgruppen die Sprachsituation und die Lebendigkeit ihrer Sprachen selbst einstufen und bewusste Entscheidungen im Bezug auf die Zukunft ihrer Sprachen treffen.

– von Bernadette Mitterhofer